Mut

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Mut

Mutige (Wagemutige oder Beherzte) trauen sich oder wagen sich in eine risikoreiche, gefährliche oder unsichere Situation vor. Diese kann eine aktivierende Herausforderung darstellen, z.B. der Sprung von Fünfmeterbrett (individueller Hintergrund) oder die Verweigerung einer unzumutbaren oder schändlichen Tat (sozialer Hintergrund) oder Mutprobe.

Nach Ansicht des Schweizer Fachpsychologen für Psychotherapie Andreas Dick (2010)[1] besteht Mut aus folgenden Komponenten:

  • eine Gefahr, ein Risiko oder eine Widerwärtigkeit auf sich nehmen bzw. eine Sicherheit oder Annehmlichkeit opfern, was möglicherweise den Tod, körperliche Verletzung, soziale Ächtung oder emotionale Entbehrungen zur Folge haben kann;
  • eine mit Klugheit und Besonnenheit gewonnene Erkenntnis darüber, was in einem bestimmten Moment richtig und was falsch ist;
  • Hoffnung und Zuversicht auf einen glücklichen, sinnvollen Ausgang;
  • ein freier Willensentschluss;
  • ein Motiv, das auf der Liebe beruht.

Als Grundformen des Mutes lassen sich dabei unterscheiden:

  • physischer Mut, dessen Gefahr in einer möglichen Schädigung von Leib und Leben besteht;
  • moralischer oder sozialer Mut, dessen Gefahr in einer möglichen sozialen Ausgrenzung besteht;
  • psychologischer oder existenzieller Mut, dessen Gefahr in einer möglichen Destabilisierung der Persönlichkeit besteht.

Ermutigung

Empowerment?

Sozialer Mut - Zivilcourage

Zivilcourage, wörtlich Bürgermut, setzt sich aus den beiden Wörtern zivil (lateinisch civilis, 1. bürgerlich – nicht militärisch, 2. anständig, annehmbar) und courage (französisch „Mut“) zusammen.

Gerd Meyer (2004: 28)[2] unterscheidet drei Arten des Handelns mit Zivilcourage:

  • Eingreifen zugunsten anderer, meist in unvorhergesehenen Situationen, in denen man schnell entscheiden muss, was man tut.
  • Sich-Einsetzen – meist ohne akuten Handlungsdruck – für allgemeine Werte, für das Recht oder die legitimen Interessen anderer, vor allem in organisierten Kontexten und Institutionen, wie z. B. in der Schule oder am Arbeitsplatz.
  • Sich-Wehren, z. B. gegen körperliche Angriffe, Mobbing oder Ungerechtigkeit; zu sich und seinen Überzeugungen stehen, standhalten, sich behaupten; widerstehen, nein sagen, „aus guten Gründen“ den Gehorsam verweigern.

Meyer 2004: 22 definiert sozialen Mut:

Zivilcourage ist ein spezifischer Typus sozialen Handelns, das sich

  • in spezifischen Situationen
  • in unterschiedlichen sozialen Kontexten und Öffentlichkeiten vollzieht, indem
  • eine Person (seltener eine Gruppe) freiwillig eintritt
  • für die legitimen, primär nicht-materiellen Interessen und die personale Integrität vor allem anderer Personen, aber auch des Handelnden selbst, und
  • sich dabei an humanen und demokratischen Prinzipien orientiert.

Zivilcouragiertes Handeln geschieht in Situationen, die charakterisiert sind durch:

  • ein Geschehen, das zentrale Wertüberzeugungen oder die Integrität einer Person verletzt;
  • einen daraus resultierenden Konflikt mit anderen;
  • Handlungsdruck, aber auch Handlungsspielraum;
  • Öffentlichkeit (in der Regel sind mehr als zwei Personen anwesend);
  • ein reales oder subjektiv wahrgenommenes Machtungleichgewicht zuungunsten dessen, der mutig handeln will, etwa in einer Minderheits-/Mehrheitssituation in Gruppen oder als Verhältnis der Über-/Unterordnung bzw. Abhängigkeit, die oft mit Anpassungsdruck verbunden sind;
  • Risiken, d. h. der Erfolg zivilcouragierten Handelns ist unsicher und der Handelnde ist bereit, mögliche Nachteile in Kauf zu nehmen.

Zitate

  • Sapere aude ist ein lateinisches Sprichwort und bedeutet Wage es, weise zu sein! Meist wird es in der Interpretation Immanuel Kants zitiert, der es 1784 zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
  • "Liebe wird aus Mut gemacht." (Nena: Irgendwie, irgendwo, irgendwann)

Referenzen

  1. Dick, A. (2010): Mut – Über sich hinauswachsen. Bern: Hans Huber Verlag
  2. Gerd Meyer et al.(2004): Zivilcourage lernen: Analysen – Modelle – Arbeitshilfen. Stuttgart: Bundeszentrale für politische Bildung